Haushaltssanierung auf Kosten der Schüler
Das Amt für Schulen, Jugend und Sport will den seit 1949 gewährten Zuschuss an die Freie Georgenschule ersatzlos streichen.
Mit der Begründung, die Finanz- und Wirtschaftskrise zwinge die Stadt, den seit über 60 Jahren für die pädagogische Versorgung im Grundschulbereich gewährten Betriebskostenzuschuss von 80.000 Euro pro Jahr mit sofortiger Wirkung gänzlich zu streichen, wurde der Geschäftsführer der Freien Georgenschule nach einem kurzen Besuch in der Stadtverwaltung von den städtischen Vertretern verabschiedet. Das Land sei zuständig für die Finanzierung der Freien Schulen, die Kommune habe dafür kein Geld mehr, so die knappe Mitteilung der städtischen Vertreter.
Für die Schule mit fast 500 Schülern kann das bedeuten, 1,5 Stellen kurzfristig streichen zu müssen. Damit ist eine verantwortungsvolle pädagogische Betreuung vieler Reutlinger Grundschüler nicht mehr gewährleistet.
Die Freie Georgenschule, durch den weitblickenden Oberbürgermeister Oskar Kalbfell einst beherzt gefördert, prägt seit über 60 Jahren die Bildungslandschaft der Stadt Reutlingen maßgeblich mit.
Seit Generationen leistet eine engagierte Lehrerschaft ihren Dienst an der Jugend Reutlingens. Unterstützt werden sie von hunderten Schuleltern, die sich ehrenamtlich für Schule und Schüler einsetzen. Mit ihrem Schulgeld entlasten diese Eltern die öffentlichen Kassen Jahr für Jahr erheblich.
„Bildung ist der entscheidende Standortfaktor der Zukunft“ lautete die eindringliche Botschaft des IHK-Präsidenten Eberhard Reiff bei der Vorstellung des ersten regionalen Bildungsreports zum Jahreswechsel. Umso unverständlicher wird der Streichungsvorschlag aus dem städtischen Schulamt, dem jedes Augenmaß zu fehlen scheint.
Die Stadt Reutlingen plant unseren gesamten Zuschuss in Höhe von EUR 82.900,00 noch im Jahr 2010 zu streichen!
Mit dieser Hiobsbotschaft mussten wir uns am Abend vor der letzten Gemeinderatssitzung an die Presse und die Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Reutlingen wenden, um auf eine gravierende Fehlentwicklung in der städtischen Bildungspolitik aufmerksam zu machen.
Worum geht es?
Seit über 60 Jahren erhalten wir für unsere pädagogische Arbeit in Reutlingen einen so genannten Barzuschuss, und zwar EUR 82.900,00. Da es sich hierbei um eine freiwillige Leistung ohne Rechtsanspruch handelt, steht dieser Betrag aufgrund der Haushaltslage der Stadt zur Disposition.
Das Amt für Schulen, Jugend und Sport hat unsere Fördermittel kompromisslos in voller Höhe auf die Streichliste gesetzt. Die uns jahrzehntelang gewährten Fördermittel wurden nicht gekürzt, sondern komplett gestrichen! Bei allen anderen Zuwendungsempfängern wurde lediglich gekürzt.
Bleibt es bei dieser städtischen Vorgabe, sind wir gezwungen, zukünftig mit 12% weniger Geld bei den Sachkosten auszukommen, was ohne zusätzliche Einnahmen nicht darstellbar ist. Die Stadtverwaltung schiebt die Probleme ab, auf das Land Baden-Württemberg und die Eltern!
Dieser „Kirchturm-Politik“ müssen wir deutlich hörbar widersprechen.
Zur Planung gemeinsamer Maßnahmen / Aktionen laden wir Sie, liebe Eltern, herzlich ein zu einem Treffen in der Mensa ein:
Donnerstag, den 11. Februar 2010 ab 19.00 Uhr
Wir haben maximal Zeit bis zum 30. März 2010. Dann wird in der Gemeinderatssitzung der Nachtragshaushalt endgültig beschlossen.
Bis dahin müssen wir die entscheidenden Politiker persönlich überzeugt haben.
Für die Delegation Öffentlichkeitsarbeit
Robert Manger
Ist unsere Schule keine Investition mehr wert?
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Stadtverwaltung bringt Nachtragshaushalt ein
[ Verlautbarung der Stadt Reutlingen ]
05.02.2010
»Wir sitzen in der Klemme«, kommentiert Oberbürgermeisterin Barbara Bosch den Nachtragshaushalt, den die Stadtverwaltung am Donnerstagabend in den Gemeinderat eingebracht hat. In den Jahren 2010 bis 2013 klafft ein Loch von über 100 Millionen Euro in den städtischen Finanzen.
... Das heißt aber noch lange nicht, dass die Stadt in diesem Jahr zum Stillstand kommt: Allen Einsparungen stehen immerhin Investitionen in Höhe von rund 105 Millionen Euro gegenüber. "Das ist unser städtisches Konjunkturprogramm", fasst Barbara Bosch zusammen, "damit sorgen wir dafür, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben." Auf der Investitionenliste stehen Stadthalle, Carl-Diem-Halle, Altstadtsanierung und Klimaschutz, der Löwenanteil des Geldes indes fließt in den Bereich Bildung und Betreuung.
Denn Reutlingens Kinder werden trotz aller Einsparungen auch weiterhin der größte Posten im städtischen Haushalt bleiben...
Quelle: Verlautbarung der Stadt Reutlingen vom 05.02.2010
[ Verlautbarung der Stadt Reutlingen ]
