Deutsch in der Oberstufe

Das Fach „Deutsch“ kann in der Oberstufe auf reiche und vielseitige Erfahrungen mit der Sprache aufbauen, die aus Geschichten, Erzählungen, Gedichten und Klassenspielen in der Klassenlehrerzeit gewonnen wurden. Gestaltungskraft und Struktur der Sprache erlebten die Schülerinnen und Schüler durch das Vorbild des Lehrers, durch eigenes Schreiben, durch darstellendes Spiel, aber auch durch gezieltes Betrachten grammatischer Strukturen. Mit dem Eintritt der Jugendlichen in die Oberstufe zur Zeit ihrer Pubertät bedürfen sowohl Denkkraft als auch Gefühlsleben einer veränderten Führung und verstärkten Orientierungshilfe. Vernunft und Urteilsfähigkeit werden in den verschiedenen Klassenstufen in unterschiedlicher Weise durch die Arbeit an Sprache und Literatur gefördert. Immer geht es auch um die Ausbildung und Pflege der eigenen Sprache in Wort und Schrift. In der Regel gibt es in jeder Klassenstufe zwei Deutschepochen und unterschiedlich viele Fachstunden.

Klasse 9

Die Deutschepochen der 9. Klasse behandeln einerseits Stoffe und Motive, die das Verhältnis des Individuums zur Welt, aber auch zu sich selbst in seiner Gegensätzlichkeit thematisieren. Dabei können tragische wie komische Wege der Lebensbewältigung erfahren werden. Andererseits richtet sich der Unterricht auf biographische Vorbilder, die sich stark an Idealen orientieren. Wahrhaftigkeit der Motive, Willenskraft in der Umsetzung und schicksalhafte Ereignisse dienen hier der Orientierung der Jugendlichen.

Klasse 10

In der 10. Klasse steht die Sprache in besonderer Weise im Mittelpunkt. Zum einen wird die Geschichte der eigenen Sprache thematisiert und in Zusammenhang mit menschheitlichen Entwicklungsschritten betrachtet. Zum anderen haben hier die Gesetzmäßigkeiten der Sprache ihren Platz, die in der „Poetik“-Epoche, einer Kunstepoche, erarbeitet werden. Gattungslehre, Metrik, Rhetorik, Stilistik, wie sie in unterschiedlichsten Beispielen der Dichtung erscheinen, werden von den Schülerinnen und Schülern  bestimmt und erübt. Damit erwerben sie das  Werkzeug, mit dem sie ihre zunehmende Eigenständigkeit leben, sich individuell und selbstständig ausdrücken können.

Klasse 11

In der 11. Klasse endet in der Regel die Pubertät. Es entwickelt sich eine subtile seelische Differenzierungsfähigkeit, das gesellschaftliche Bewusstsein wächst. Fragen nach Lebenswegen und -zielen, nach dem höheren Sinn des Lebens, die Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns, die Frage nach Schuld und Sühne, der Prozess der Ich-Werdung etc. sind Leitmotive für die Deutsch-Epochen. Häufig ist eine der beiden Epochen eine „Parzival“-Epoche, in der der „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, eines der bedeutsamsten literarischen  Werke des deutschen Mittelalters, behandelt wird, der die Möglichkeit gibt, auf viele dieser Themen einzugehen.

Klasse 12

Die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse sind in der Regel 18 Jahre alt und an der Schwelle zum Erwachsenensein. Dieser Schritt ist sowohl ein Durchbruch und eine Chance, kann aber auch als existentielle Krise erlebt werden: Was heißt es, in der heutigen Welt zu leben?  Wofür will ich mich einsetzen?  Wie will ich mein Leben gestalten? Bin ich dafür vorbereitet? Dahinter liegen aber auch tiefere Fragen nach den Grenzen der Erkenntnis, den Quellen moralischen Handelns und dem Sinn der menschlichen Existenz. Diese Themen werden in besonderer Weise in der „Faust“-Epoche Gegenstand des Unterrichtsgesprächs.

Darüber hinaus werden in der 12. und 13. Klasse die Schüler in gesonderten Fachstunden auf die Abschlüsse Mittlere Reife, Fachhochschulreife und Abitur vorbereitet und üben sich in den verschiedenen Aufsatzarten, dem mündlichen Ausdruck und der Orthographie. 

Christiane Gellermann und Susanne Schäfer