Das Fräulein von Scuderi
Bilder aus der Probenarbeit • Klick in die Bildmitte vergrößert
E. T. A. Hoffmanns Erzählung spielt in Paris im Jahre 1680. Das Fräulein von Scuderi ist eine sehr angesehene Schriftstellerin, sie kennt König Ludwig XIV. und verkehrt an seinem Hofe.
Zu dieser Zeit geschehen in Paris zahlreiche, grauenhafte Morde, deren Opfer durch einen Dolchstich mitten ins Herz getötet werden. Alle Morde geschehen nach dem gleichen Prinzip: Immer sind die Opfer adelige Männer, die mit einem Schmuckgeschenk auf dem Weg zu ihrer Geliebten sind, und immer wird dieses Schmuckstück gestohlen. Die Liebhaber verlangen nun, dass etwas gegen diese Mörder getan wird.
In den Straßen von Paris herrschen Angst und Schrecken. Selbst die Polizei gerät in Panik, weil es nicht gelingt, die Mordserie aufzuklären oder zu beenden. Beinahe willkürlich werden Menschen beim geringsten Verdacht gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet. Der Chef der Chambre Ardente und der Polizeipräsident kennen da keine Gnade und wüten erbarmungslos unter den unschuldigen Opfern. Dennoch nimmt das Morden kein Ende. In dieser Not wendet sich das Fräulein von Scuderi an den König und bittet ihn um Hilfe.
Da überbringt eines Nachts ein geheimnisvoller Bote dem Fräulein ein Schmuckkästchen und eine Nachricht folgenden Inhalts:
„Ein Liebhaber, der die Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.“
Später erfährt sie, dass der Schmuck von René Cardillac stammt, dem genialen Pariser Juwelier. Außerdem teilt ihr ein Augenzeuge mit, dass er den wahren Mörder kenne.
In einem ehemaligen Kloster in Paris wohnt René Cardillac, der beste Goldschmied der Stadt mit seiner bezaubernden Tochter Madelon. Olivier Brusson, der Goldschmiedegeselle aus Cardillacs Werkstatt, ist unsterblich in sie verliebt. Dadurch gerät er unschuldig in einen Strudel der Ereignisse, die dazu führen, dass er selbst des Mordes verdächtigt, gefangen gesetzt und schließlich zum Tode verurteilt wird, nachdem man ihm unter Folterqualen ein Geständnis abgepresst hat. Nichts scheint ihn mehr retten zu können. Wird das Geheimnis um die Morde im Dunkeln bleiben?
Schüler der Klasse 8
The „Making of“
Wie es begann
Als wir Ende des siebten Schuljahres unser Klassenspiel aussuchten, nahmen wir uns zunächst zwei Komödien vor, „Das Gespenst von Canterville“ nach Oscar Wilde und „Das Haus in Montevideo“ von Curt Goetz. Aber die Rollenverteilung sagte uns nicht so recht zu, außerdem waren an unserer Schule schon so viele Komödien gespielt worden, dass wir nach etwas anderem suchten. Schließlich entschieden wir uns für „Das Fräulein von Scuderi“, nach einer Novelle von E. T. A. Hoffmann. Dieses Stück war spannender als alle anderen zuvor.
Jeder durfte seine Wunschrollen auf einen Zettel schreiben und Herr Kettel, unser Klassenlehrer, suchte dann die passende Rolle für die jeweilige Person aus. Nach einer letzten Abstimmung passte alles und jeder hatte nun die Aufgabe, sich gut auf seine Rolle vorzubereiten.
Die Arbeit mit Frau Kern
Am Anfang wurden wir von Frau Kern, unserer Sprachgestalterin, aus den verschiedenen Unterrichten geholt, um an unserer Sprache zu arbeiten. Wir übten entweder in ihrem Raum, oder auf der Bühne. Zu Beginn der Proben hatten wir besondere Sprechübungen, um die Laute besser aussprechen zu können. Anschließend stellten wir uns auf die Bühne und achteten darauf, dass wir laut und nicht zu schnell redeten. Zu diesem Zweck stellten wir uns vor, es säße jemand auf der Empore. Wir deuteten mit den Händen hinauf und riefen den vorgestellten Personen dort etwas zu. Mit der Zeit sprachen wir tatsächlich lauter und deutlicher.
Kostüme und Schminke
Ein paar Wochen vor den Aufführungen wurden wir aus dem Unterricht geholt, um uns Kostüme auszusuchen. Dabei musste man beachten, Dass der Charakter und der Rang der Person, die man spielte, gut dargestellt wurde. Die Kostüme am Königshof waren sehr prunkvoll, während die Ausstattung der einfachen Leute naturgemäß eher schlicht ausfiel. Während der ersten Kostümprobe merkten wir, dass wir uns durch die Kostüme immer mehr in die Rolle hinein versetzten und die Atmosphäre sich veränderte. Später wurden wir auch geschminkt und frisiert. Schwierig war es nach der Aufführung, die ganze Schminke wieder herunterzubekommen.
Bühnenbild und Kulissen
Für das Bühnenbild trafen wir uns erstmals in den Herbstferien 2009. Wir arbeiteten mit insgesamt etwa fünfzehn Schülern daran. Zuerst musste die Bühne mit Folie abgeklebt, das Gerüst aufgebaut und das alte Bühnenbild vom Spiel des Vorjahres mit weißer Dispersionsfarbe übermalt werden. Die zu bearbeitende Fläche betrug acht mal zwölf Meter.
Am Tag darauf fingen wir an, die Umrisse auf die grundierte Leinwand zu malen. Wir hatten als Motiv eine alte Gasse mit Torbogen gewählt. Da es sich bei dem Stück um einen Krimi handelt, wollten wir eine düstere Atmosphäre, es sollten keine Farben verwendet werden, sondern nur Grautöne, da auch viele Szenen bei Nacht spielten. Das Ganze erinnerte stark an eine Hell-Dunkel-Zeichnung.
Als wir begannen, die Umrisse auszumalen, mussten wir darauf achten, welche Farben zusammengemischt wurden, weil wir gar nicht genug Farbe auf einmal mischen konnten, damit es für das ganze Bild reichte. Manchmal mischten wir die Farben auch direkt auf der Leinwand. Außerdem hatten wir die Schwierigkeit, dass wir eine räumliche Tiefe hinter dem Torbogen schaffen mussten.Eigentlich hatten wir uns zum Ziel gesetzt, in den Herbstferien fertig zu werden, aber das schafften wir nicht ganz. Also suchten wir einen neuen Termin in den Weihnachtsferien. Das war aber gar nicht so einfach, weil in dieser Zeit Proben für das Dreikönigspiel stattfanden. Schließlich schafften wir es doch. Wir konnten Bild an einem einzigen Tag fertigstellen, obwohl wir es noch einmal fast vollständig übermalten.
Die Kulissen entstanden noch vor den Weihnachtsferien. Dazu trafen wir uns an Wochenenden. Es kamen Eltern, Schüler und unser Klassenlehrer um zu bauen und zu streichen. Die Kulissen wurden in den gleichen Farbtönen gehalten wie das Bühnenbild. Eigentlich ging dieser Teil ziemlich schnell.
Schüler der 8. Klasse
Klassenspiele
Klassenspiele haben an Waldorfschulen eine lange Tradition. Praktisch von der ersten Klasse an lernen die Schüler, sich auf der Bühne vor einem Publikum frei zu bewegen und dabei ihre Sprache und Ausdrucksfähigkeit in vielfältiger Weise zu üben. Die Spiele in der achten und zwölften Klasse stellen Höhepunkte in dieser Entwicklung dar.
Die eigentlichen Gründe, welche die monatelange, intensive Arbeit an einem Klassenspiel rechtfertigen sind folgende:
- Das Üben an der Sprache, die entwicklungsbedingt von den Jugendlichen dieses Lebensalters gerne etwas vernachlässigt wird, gewinnt besondere Bedeutung.
- Die Jugendlichen müssen bestimmte Verhaltens- und Bewegungsgewohnheiten, die für dieses Lebensalter typisch sind, bis zu einem gewissen Grade aufgeben und in die Rolle eines Charakters schlüpfen, der mit ihnen nicht unbedingt etwas zu tun hat. Das kann eine hilfreiche Erfahrung in dem Prozess der Selbstfindung werden, den jeder Jugendliche durchmacht.
Damit das nicht nur ein trockenes Üben bleibt, betten wir es in einen Zusammenhang ein, der für Schüler dieses Lebensalters interessant ist: das Achtklassspiel.
Ein weiterer, wichtiger Grund liegt darin, dass alle Schüler der Klasse zu einem bestimmten Termin ihre gemeinsamen Anstrengungen auf den Punkt bringen und zu dem stehen müssen, was sie erarbeitet haben. Es gibt dann kein Zurück mehr, nur noch den Weg nach vorn. Damit verbunden ist aber auch die Erfahrung, dass es ein gutes Gefühl ist, wenn man es wagt sich zu zeigen, aus sich heraus zu gehen und Freude am Darstellen zu entwickeln.
Bernd Kettel

























