Das Martinsspiel der Erstklässler

Wenn im Herbst die Tage rascher dunkel werden und die Zeit des Laternelaufens naht, hören die Erstklässler auch die Geschichte vom Heiligen Martin, der in der kalten und lebensfeindlichen Winterszeit seinen Mantel mit einem Bettler teilte und sich nicht beirren ließ, als ihn seine Kameraden deshalb verspotteten.

Nachdem wir die Geschichte gehört hatten, übten wir jeden Morgen während des rhythmischen Teiles im Hauptunterricht ein kleines Rollenspiel, das den Kindern große Freude bereitete. Als wir es gut genug konnten, entstand auch der natürliche Wunsch, es anderen Kindern vorzuführen. Frau Petzold zauberte rasch ein paar Kostüme herbei, wodurch die ganze Szenerie belebt wurde, die Kinder brachten Steckenpferde für die wilden römischen Reiter mit und dann sandten wir Boten aus, die andere Klassen einladen sollten. Kurz vor Weihnachten war es dann so weit.

Der kleine Saal war gefüllt mit Kindern der Unterstufe, ein paar Eltern und Kollegen saßen dabei und alle schauten erwartungsvoll zur Bühne.

Dort, hinter dem geschlossenen Vorhang, standen die Erstklässler und sahen mit klopfenden Herzlein ihrem Auftritt entgegen. Nun, da der entscheidende Moment gekommen war, schien alles nicht mehr ganz so einfach zu sein. Wir verspürten Lampenfieber. Für den Fall, dass etwas schief ging, hatten wir jedoch einen Trost bereit: Wir waren schließlich die einzigen, die wussten, wie das Spiel ging, die Zuschauer würden immer glauben, es sollte so sein, wie es zu sehen war. Also, noch einmal herzhaft Glück gewünscht und Vorhang auf!

Die Erstklässler machten Ihre Sache tadellos und freuten sich riesig, als am Ende die Zuschauer reichlich Beifall spendeten. Das war ein tolles Gefühl, wir hatten es geschafft! Vergessen war alles Zittern und Bangen und sofort kam die Frage: "Machen wir das noch einmal?" - Wir traten noch einmal auf, nun vor den Eltern und mit Vollgas, denn wir waren unserer Sache sicher. Auch der Umstand, dass ein Schüler erkrankte und ein anderer seine Rolle übernehmen und improvisieren musste, war für uns kein Hindernis mehr.

Bernd Kettel

Klassenspiele...

... gehören schon von der ersten Klasse an zum pädagogischen Programm. Besondere Höhepunkte sind die ersten Kostümproben und der Tag der ersten Aufführung. Wie man auf den Bildern sehen kann, strahlen die Erstklässler aus allen Knopflöchern.