Theaterspiel der 8. Klasse

"Das Gespenst von Canterville" geht um:

Dieses Jahr führte die 8. Klasse der Freien Georgenschule Reutlingen „Das Gespenst von Canterville“ auf.
Das gesellschaftskritische Theaterstück geht auf eine Novelle von Oscar Wilde, wohlgemerkt aus dem Jahr 1887, zurück und zeigt in einer rasanten Abfolge komischer Dialoge brillant auf, wie die Jugend ihr als respektlos wahrgenommenes Verhalten abgeschaut hat von genau denen, die als Vorbilder stehen sollten und sie anschließend dafür tadeln. Den Schülern und Schülerinnen der 8. Klasse machte diese Dynamik beim Spielen sichtlich Freude, die teils sehr langen Dialoge lieferten sie scheinbar mühelos ab.
Die eigentliche Geschichte dreht sich um die Familie des US-Botschafters Hiram B. Otis, die das Schloss Canterville zu ihrem neuen Heim gemacht hat, obwohl darin ein Gespenst seit 300 Jahren sein Unwesen treibt. Der ruhelose Geist von Sir Simon de Canterville vermag es jedoch trotz aller Bemühungen nicht, die neuen Bewohner zu schrecken oder gar zu vertreiben. Im Gegenteil: Alle Mitglieder dieser Familie nehmen ihn als selbstverständlich hin, bemitleiden ihn oder versuchen gar, ihm zu helfen (beispielsweise mit Kettenöl gegen seine klirrenden Ketten oder Medizin nach seinem durch die Zwillinge verursachten Sturz über eine gespannte Schnur). Selbst seine Verwandtschaft aus der Geisterwelt verspottet ihn und so fällt das einst gefürchtete Gespenst zu einem Häufchen Elend zusammen, das nur noch eines will: endlich ruhen. Aber wie? Die ältere Tochter der Familie, Miss Virginia, scheint ihm helfen zu können.

Im Oktober hatten die 29 Jugendlichen das Stück ausgewählt, die gerade mal zwölf Wochen tatsächliche Proben-Zeit waren leider immer wieder unterbrochen durch Krankheit und Quarantäne. So war es für Claudia Kern, die über lange Jahre Regie geführt hat bei Schüleraufführungen der Freien Georgenschule, dieses Mal eine besondere Herausforderung.
„Zum Endspurt haben sie sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt“ erzählt ihre Klassenlehrerin Astrid Jochens sichtlich stolz. Die Leistung ihrer Schüler kann sich wirklich sehen lassen. Die Aufführung war gespickt von tänzerischen und musikalischen Einlagen der Schüler: drei Polizisten „die tanzenden Bobbys“ legten überraschend einen kleinen Tanz aufs Parkett; eine Reisegruppe, die auf der Schlosswiese campieren wollte, bedankte sich mit lebhafter Musik, die von zwei Schülerinnen mit Querflöte und Geige dargeboten wurde. Begleitet wurden sie dabei von Stephan Emele, Musiklehrer an der Freien Georgenschule, der die gesamte musikalische Begleitung für dieses Theaterstück eigens komponiert hat. Das herausragende daran: Die Charaktere bzw. Gruppen hatten jeweils ein eigenes musikalisches Thema, das sie über das Stück begleitet und leicht variiert.
Was den Jugendlichen für ihre gelungene Aufführung enorm geholfen hat, war laut Astrid Jochens am Ende tatsächlich das Publikum, das jede Gelegenheit nutzte, im Takt mit zu klatschen oder durch lauten Applaus seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, wie beispielsweise nachdem die Zwillinge das Duett „Groß sein muss schön sein – klein sein ist dumm (denn der Große schubst den Kleinen immer nur herum)“ von Bühnenrand herab in den Großen Saal hinein sangen.

Fazit: Die größte Heimsuchung in diesem Stück war nicht das Gespenst von Canterville, sondern die amerikanische Familie. Zum guten Abschluss konnte die ältere Tochter Virginia die Familienehre dann wiederherstellen, als sie das Gespenst von seinen Qualen erlöste. Ein glattes Happy End für eine Gesellschaftskritik mit Augenzwinkern.

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