Statt Advents-Bazar:

Das Michaeli-Fest

Wenn drinnen feiern keine Option ist, verlegen wir das Fest nach draußen!

Dieser Aussage zuvor kam die Frage: Was ist, wenn im Herbst die nächste große Welle über uns hereinbricht?
Bei den Überlegungen im Frühjahr, ob und wie der alljährliche Advents-Bazar an der Freien Georgenschule stattfinden kann, war diese Frage entscheidend. Für mehr Planungssicherheit und, nicht zuletzt, damit das Schulfest nicht ein weiteres Mal ersatzlos gestrichen werden muss, haben die Organisatorinnen aus Kindergarten und Schule neue Ideen entwickelt: Den Zuschlag erhielt das Konzept eines Open-Air Bazars im Spätsommer, der als schulinterne Veranstaltung laufen muss, damit er den dann geltenden Corona-Bestimmungen standhalten würde. Ein Fest für die Schülerinnen und Schüler sollte es werden, damit die Kinder und Jugendlichen, die in den letzten anderthalb Jahren auf so vieles verzichten mussten, ein Stück Normalität zurückerlangen, denn für sie gehört der Bazar zu den schönen Dingen, auf die man sich in der Vorweihnachtszeit besonders freut.
Damit diese Vorfreude bei einem vorgezogenen Fest überhaupt erst entstehen kann, wurden alle Klassen schon vor den Sommerferien an der Planung ihrer Klassenaktivitäten beteiligt. Viele der Angebote, die es sonst auch beim Advents-Bazar gibt, haben es, teils in leicht abgewandelter Form, auch auf das neue Fest geschafft. So zum Beispiel die Kindereinkaufsstraße und der Grabbelsack, den dieses Jahr – passend zu Michaeli – ein Ritter umhertrug. Das Motto des Schulfests geht auf die Überlegungen zu Machbarkeit unter Corona-Bedingungen und den Wettergegebenheiten zurück: Ende September, zur Michaeli-Zeit, wären die besten Voraussetzungen für ein Fest im Freien. Also wurde das gesamte Außengelände von Kindergarten und Schule nutzbar gemacht, Rundwege beschildert, Durchgänge geöffnet und die Dekorationen mit Drachen und Rittern, auch Engeln, Elfen und Zwergen entsprechend abgestimmt.
Wer sich auf dem Schulhof näher umsah, konnte neben bunten Bastelangeboten wie Burgfräulein-Haarschmuck, Kronen zum Selbstbemalen, Ritterstöcke und Drachenfeuer-Puster auch schöne große Holz-Spiele entdecken, die Groß und Klein dazu einluden, ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Am Kindergarten Spielplatz war ein Hindernis-Parcours mit zwei Ebenen und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aufgebaut, der die Kinder und Jugendlichen herausforderte – und natürlich waren Eltern mit helfender Hand zur Stelle, falls ein kleiner Knappe die Felswand nicht ohne Hilfe überwinden konnte. Und wenn Eltern, beispielsweise beim Blumenkranzbinden, mal nicht helfen mussten, haben manche kurzerhand selbst das Angebot genutzt. Jede Klasse bzw. jede Gruppe war für eine Station des Fests verantwortlich – so waren die Zuständigkeiten klar und das Angebot für Jung und Alt vielfältig und abwechslungsreich.
Neben Spielen und Mitmachangeboten war natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt: unter anderem gab es selbstgebackene Pizzen aus dem Holzofen, knusprige Lángos und leckere Würste vom Grill, die von dem rotgoldenen Drachen, der sich auf der Überdachung niedergelassen hatte, genauestens bewacht wurden. Gegen den Durst, der bei den fast hochsommerlichen Temperaturen aufkommen mochte, standen an mehreren Stellen Getränkeverkaufsstände sowie die Mannschaft des Saftmobils bereit, das von Schülern und Eltern der 5. Klasse bedient wurde. Dem süßen Zahn standen reichlich feine Kuchen – nebst Kaffee & Co – in der Auslage des 8.-Klass-Cafés zur Wahl, frische Waffeln, die von Erziehern und Eltern der Christofferus-Kinderkrippe gebacken wurden oder auch gebrannte Mandeln. 
Wo man hinsah, wurde das wunderbare Spätsommerwetter in vollen Zügen genossen. Menschen, die sich seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatten, saßen draußen beisammen und unterhielten sich, Kinder sprangen umher und zogen ihre Eltern von einem Angebot zum nächsten oder nutzen endlich die Spielplätze auf dem Schulgelände aus, die sie wegen der Trennung der Pausenbereiche so lange nicht nutzen konnten. An diesem Tag war das gesamte Schulgelände bevölkert wie eigentlich noch nie, da der Advents-Bazar normalerweise überwiegend im Schulhaus stattfindet.
Durch den vielen Platz im Freien und weil auch der Weg zum Kindergarten erschlossen wurde und auch dort alles im Freien stattfand, war es allen gut möglich, das Abstandsgebot einzuhalten. Nötige Abstandsmarkierungen, überall Hinweisschilder zu geltenden Hygienemaßnahmen und Desinfektionsmittelspender, diverse Checkpoint-Punkte für die Kontaktdatenerfassung – die Besucher nahmen es gelassen: Für ein solches Fest nimmt man gerne ein paar Umstände in Kauf.
Schon die Eröffnung des Fests war ein kleines Highlight: Die ersten beiden Klassen, die ja erst zwei Wochen Schule gehabt hatten, sangen zur Begrüßung ein Lied, auch die fünfte Klasse trug etwas vor. Den darauf folgenden fröhlich brummenden Geräuschpegel, der über das Schulgelände hinweg zu hören war, haben viele mit Freude wahrgenommen, von Lärm war keine Rede. Stattdessen: Viel Sonne, lautes Lachen, überall Unterhaltung und Begegnung, gutes Essen, schöne und nützliche handgefertigte Dinge an den Verkaufsständen, überragende Stimmung – das Fazit: Ein richtig gelungenes Schulfest, das den ausfallenden Advents-Bazar vielleicht nicht ersetzen wird, aber doch eine gute Alternative in diesem Jahr gewesen ist. Und im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt. Die Öffentlichkeit endlich wieder zu einem solchen Fest in die Schule einladen zu dürfen, um zu zeigen, was die Freien Georgenschule alles zu bieten hat, wäre der nächste Wunsch.

 

Text: Julia Bantlin

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